Geliebt und missbraucht

Pferd und Natur im Fokus . Ein überwiegend kritisches Lesebuch.
Herausgeber Horst Brindel

 

12,00 €

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Produktinformationen

Rezension von Albrecht Huwe:

 

Geradezu überwältigend ist die Fülle an Themen, die einem beim Aufschlagen des Inhaltsverzeichnisses unmittelbar ins Auge springt. Wenn sich der Rezensent nicht verzählt hat, dann sind es genau 45 Beiträge aus den verschiedensten Bereichen. Diese sind in größere Themeneinheiten mit den folgenden Titeln geordnet: Pferd und Mensch, Pferde im Einsatz für den Menschen, Die hippologische Verpflichtung, Das Pferd in der Kunst, Von der Bedeutung des Pferdes für die Natur, Das Pferd in Tierschutz und Tierrecht und Epilog.

Ergänzt werden diese spannende Lektüre versprechenden Beiträge des Buches durch verschiedene nützliche, d.h. informative Anhänge über die Autoren in Kurzvorstellung, Danksagungen, Bildnachweise, weiterführende Literatur in Form von Druck- oder Internetmedien.

Die beeindruckende Breite des Themenspektrums stellt natürlich gleichzeitig ein unüberwindliches Hindernis für eine ausgewogene Berücksichtigung und Bewertung aller Einzelteile dar. Es ging selbst dem Rezensenten so, dass sich in der relativ kurzen Zeit, in der das Buch auf dem Schreibtisch seinen Platz gefunden hat, die Interessenlagen sich änderten und darum das eine Mal der eine Artikel Aufmerksamkeit auf sich lenkte, und das andere Mal ein anderer Beitrag die übrigen in den Hintergrund drängte.

Aber gerade dieses Leseverhalten dürfte bei einer Publikation wie der vorliegenden gerade der eigentliche Zweck sein: Man kann sie sich immer wieder vornehmen, gleichsam in den verschiedensten Lebenslagen, und die Inhalte, Aussagen, Erfahrungen, Forschungsergebnisse, Meinungen usw. neu überdenken.

Denn das Überdenken tut Not. Das Überdenken der Position des Menschen zur Natur und den Pferden, wie der Titel des Buches sagt: Geliebt und missbraucht. Dies verweist auf Einstellungen des Menschen zu seiner Umwelt und seinen Mitgeschöpfen, aber natürlich auch zu sich selbst. Es bedarf der inneren und äußeren Bildung, um alle sachlich als richtig erkannten Fakten zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen um daraus angemessene Einstellungs- und Handlungsweisen entstehen zu lassen. Allein die gutgemeinte, gar vermenschlichende Zuneigung zu den Mitgeschöpfen Pferd und Esel (hier stellvertretend für alle anderen Tiere) langt schlicht nicht aus. Um den Tieren und den von der Natur für ihr Überleben vorgegebenen Prämissen gerecht zu werden, muss genaues Faktenwissen zum Tragen kommen.

Was aber und wem nützt alles Faktenwissen, wenn der Mensch seine egoistischen Wünsche an erste Stelle setzt und das Pferd nur als Mittel zum Zweck betrachtet, das ihm immer und überall zur Verfügung zu stehen und auf Knopfdruck zu funktionieren hat? Hier fehlt es schlicht an der richtigen Einstellung des Menschen, an innerer Bildung. Wie beeindruckend sind in diesem Zusammenhang die Beiträge von Hanno Maria Pilartz über »Die langohrigen Verwandten – besonders oft und gründlich missverstanden«, oder von Heiner Natschak über »Das Pferd als Garant für Sicherheit und Ordnung«, und nocheinmal Hanno Maria Pilartz, »Tierschutz und Tierrecht als zentrale Problemkreise der Zukunft« sowie die ehrliche Schilderung von Gabriele Boiselle, »Das Pferd im Bild und in der Fotografie: Vom Kunst- und Prestigeobjekt zum Seelenpferd“, oder schließlich auch Renate Vanselows »Europas artenreiche Fraßsavanne – ausgebeutet, fast verloren aber unverzichtbar« neben den anderen herausragenden Beiträgen über die Pferdezucht, die Gestüte in Europa usw. usf.

Schön wäre es gewesen, wenn etwa noch ein Beitrag etwa von GaWaNi Pony Boy über die Einstellung der Indianer zu ihren Pferden als gemeinsame Geschöpfe der Natur hätte aufgenommen werden können, um den Themenkreis damit zu schließen. Denn die Indianer haben ganz offensichtlich die Einstellung realisiert, die für uns Mitteleuropäer anzustreben wäre.

Zwischen den einzelnen Beiträgen finden sich sog. Statements, in denen die von der VFD vertretenen Positionen klar und übersichtlich wiedergegeben werden. Sie verkörpern gleichsam die Essenz der einzelnen Beiträge, als zusammenfassende Richtschnur, einfach zu lesen und zu beherzigen.

Die vorliegende Publikation erhält ihren außergewöhnlichen Wert auch durch die zahlreichen, meist farbigen Fotos. Es handelt sich nicht um einfache Schnappschüsse nur damit das Buch auch schöne bunte Bilder hat, sondern um sehr einfühlsame Aufnahmen, die den Inhalt der Texte auf ihre Weise widerspiegeln. Solche Aufnahmen anzufertigen, bedeutet viel Mühe und ein trainiertes Auge und eine dazu passende gute Kamera. Sie laden ein zum stillen Betrachten und Nachdenken über das Gelesene.

Die Veröffentlichung hebt sich aus der großen Masse von jährlich auf den Markt geschütteten Pferdebüchern sehr deutlich ab. Es ist ein unbedingtes Muss für jeden dem Pferde, Esel und Mulis ans Herz gewachsen sind.

 

Albrecht Huwe

November 2017

 

  • Hardcover, gebunden
  • 21 x 26 cm, 236 Seiten
  • reich bebildert

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